Die Wikipedia im Unterricht und zu Hause

WikiDie Wikipedia umfasst momentan fast eine halbe Million Einträge in deutscher Sprache. Sie ist extrem beliebt und wird von vielen Menschen weit häufiger eingesetzt als gedruckte Nachschlagewerke. Auch Google freut sich einer entsprechenden Beliebtheit. Deshalb wird die Onlinerecherche mittels Google und Wikipedia auch im Unterricht oder bei den Hausaufgaben immer häufiger eingesetzt.
Allerdings sollte man dabei nie vergessen, dass die Verlässlichkeit von Google und Wikipedia einen anderen Charakter hat als die von Brockhaus, Encarta und ähnlichen Werken. Selbst bei der Wikipedia, wo die Autoren mancher Artikel identisch mit denen von Nachschlagewerken ist, kann für eine hundertprozentige Richtigkeit jeden Eintrags nicht garantiert werden. Für mit Google aufgefundene Internetseiten lässt sich bezüglich der Richtigkeit generell gar keine Aussage treffen. Unbeabsichtigte oder auch willkürliche Falschdarstellungen von Sachverhalten sind möglich. Schüler müssen deshalb lernen, die Aussagen von Suchergebnissen in Google und Wikipedia richtig einzuschätzen.


Schüler und Lehrer lernen Umgang mit der Wikipedia
Online-Quellen spielen eine immer bedeutendere Rolle für Schüler und Lehrer. Insbesondere die freie Enzyklopädie Wikipedia ist in den letzten Jahren zu einer bevorzugten Informationsquelle geworden. Um den kritischen Umgang mit Online-Nachschlagewerken und speziell mit der Wikipedia im Schulunterricht zu fördern, hat der Verein Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. jetzt erstmalig ein Projekt an einer Schule durchgeführt. Am Freitag, 22. September, fand am Hildesheimer Gymnasium Adreanum ein Aktionstag mit speziell auf die Nutzung der Wikipedia in der Schule ausgerichteten Workshops für Schüler, Lehrer und interessierte Eltern statt.
Die Idee zu dieser Veranstaltung basierte auf der Beobachtung, dass Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe ihre Informationen heutzutage in hohem Maße aus dem Internet beziehen und diesen allzu häufig unkritisch begegnen. In einer unter Schülern einer 12. Jahrgangsstufe durchgeführten Umfrage hatten 63 Prozent der Befragten angegeben, Wikipedia oder Google seien ihre erste Wahl unter den Informationsquellen zur Unterrichtsnachbereitung. Gedruckte Nachschlagewerke landeten hingegen bei nur 21 Prozent. Dies deckt sich mit den Ergebnissen einer anderen Befragung, die bereits im Juni im Rahmen der Wikipedia-Academy in Göttingen vorgestellt wurden. Weitere Umfragewerte deuten darauf hin, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Neuen Medien nur allzu selten stattfindet und den Schülern Kenntnisse fehlen, um den Informationsgehalt von Texten aus dem Internet angemessen bewerten zu können.
Mit dem Aktionstag an der Hildesheimer Schule, bei dem ehrenamtliche Wikipedia-Autoren die Schüler und Lehrer über die Funktionsweisen der Wikipedia aufklärten, sollte dieser Mangel beseitigt werden. Im Mittelpunkt der Vorträge und Workshops standen Fragen wie “Woran kann ich einen guten Wikipedia-Artikel erkennen?” und “Was muss ich beachten, wenn ich meine Informationen aus der Wikipedia beziehe?” Insgesamt nahmen rund 110 Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe sowie rund 20 Lehrer und Elternvertreter an dem Aktionstag teil.
“Die Veranstaltung hat unsere Vermutung bestätigt, dass bei Lehrern und Schulen noch viel Aufklärungsarbeit über die Funktionsweise der Wikipedia und ihren sinnvollen Einsatz im Schulunterricht zu leisten ist”, zieht Frank Schulenburg, Vorstandsmitglied von Wikimedia Deutschland e.V. und Initiator des Projektes, ein erstes Fazit des Aktionstages. Der gemeinnützige Verein wolle deshalb weiter daran arbeiten, Schüler zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit dem Medium Internet anzuregen. Aufbauend auf den Erfahrungen des Hildesheimer Pilotprojektes soll jetzt eine Informationsbroschüre zum reflektierten Umgang mit der Wikipedia in der schulischen Praxis erarbeitet werden. Außerdem soll nach Möglichkeiten gesucht werden, ähnliche Veranstaltungen auch an anderen Schulen durchzuführen. Darüber hinaus plant Wikimedia Deutschland gemeinsam mit dem Andreanum, das Projekt bei dem 2006 erstmalig ausgeschriebenen Deutschen Innovationspreis für nachhaltige Bildung einzureichen.“
Quelle: http://www.wikimedia.de/