2001 – ZEUS

Gewalt ist abzulehnen — Doch wenn’s passiert, was macht der Staat daraus?

Die laue Tour der Staatsanwälte bringt junge Menschen auf die Palme
Wenden. (WP) Einige Schüler unserer Klasse sind bedroht, verfolgt, in Angst und Schrecken versetzt, ja sogar schon geschlagen worden. Wir erwarten von unserem Staat, dass er uns – soweit möglich – vor Tätern schützt bzw. deren Taten verfolgt.
Folgender Fall hat sich laut Anzeige in diesem Sommer in einer Einkaufsstraße zugetragen:
Ein 15-Jähriger trifft zufällig einen der Polizei bekannten älteren Jugendlichen, die Blicke der Beiden kreuzen sich. Der ältere Jugendliche fragt den 15-Jährigen: „Habe ich dir erlaubt, mich anzugucken?“ Antwort: „Ich kann hingucken wohin ich will“: Der Ältere geht weg, kommt mit einem ca. 18-Jährigen, der seinem Kumpel offensichtlich den Rücken frei halten soll, ansonsten aber nicht eingreift, zurück und stellt die Frage: „Lachst du auch noch?“ „Schon möglich“, antwortet der Jüngere. Ohne Vorwarnung schlägt der Täter an Kopf und Körper des 15-Jährigen. Die Ver letzungen müssen im Krankenhaus ambulant behandelt werden; die Eltern erstatten Anzeige.
Die zuständige Staatsan-wältin stellt das Verfahren gegen den nicht unbescholtenen Täter mit der Begründung ein, es handle sich um ein jugendtypisches Fehlverhalten mit geringem Schuldgehalt. Es bestehe auch kein öffentliches Interesse, an der Strafverfolgung.
Darauf gab’s Reaktionen einiger Mitschüler: Encarnita: „Ich finde das nicht in Ordnung, was die
Staatsanwältin geschrieben hat. Dann könnte ich ja auch andere ins Gesicht schlagen und würde nicht bestraft. “
Steffi: „Es ist nicht jugendtypisch, jemanden ins Gesicht zu schlagen und zu verletzen. “
Sonja: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass der Fall eingestellt wird, denn das würde nur dahin führen, dass der Täter immer wieder so etwas macht, weil er sowieso nicht bestraft wird.“
Bianca: „Ich finde, dass jeder, der eine Straftat begeht, vom Staat bestraft werden müsste.“
Jennifer: „…und wenn es doch geschieht und Anzeige erstattet wird und es vor Gericht geht, ist das Urteil meistens zu mild.“
Zur großen Überraschung war die Staatsanwältin plötzlich bereit, den geschilderten Vorfall weiter zu verfolgen!!!
Wir, die Schüler der Klasse 8.4, wollen in einem Staat leben, in dem auch Jugendliche für ihre Taten gerade stehen müssen.

(Gemeinschaftsarbeit, Kl.
8,4; Konrad-Adenauer-
Hauptschule Wenden.)

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