Sensible Thematik im Gemeinderat

hobö Gerlingen/Wenden, Mit einem gleichermaßen diffizilen wie sensiblen Thema haben sich noch in diesem Monat die Kommunalpolitiker in der Gemeinde Wenden zu beschäftigten. Es geht um den so genannten integrativen Unterricht. Der Wendener Gemeinderat muss entscheiden, ob an der Konrad-Adenauer-Hauptschule ab dem nächsten Schuljahr vier lernbehinderte Kinder unterrichtet werden. Lehnt der Rat und somit die Gemeinde Wenden als Trägerin der Hauptschule den Antrag ab, werden die vier Kinder aus Gerungen eine Sonderschule im Kreis Olpe besuchen müssen. Derzeit werden die vier Kinder in der Grundschule Gerlingen überwiegend im „normalen“ Klassenverband unterrichtet. Lediglich in einigen Fächern erhalten sie eine gesonderte Beschulung von der dafür ausgebildeten Pädagogin Doris Rinke.


Auf Anraten von Doris Rinke sowie der Grundschullehrerin Brigitte Winkens haben die Eltern der vier lernbehinderten Kinder einen Antrag beim Schulamt des Kreises Olpe gestellt, der darauf abzielt, dass ihre Schützlinge nach der Grundschulzeit im Rahmen einer sonderpädagogischen Fördergruppe an der Hauptschule in Wenden unterrichtet werden. Den Kindern wird das Lernvermögen zugesprochen, mit Hilfe einer speziellen Förderung die Lernziele der Hauptschule zu erreichen. Im Falle einer Weisung an eine Sonderschule (mit ganztägigem Unterricht) fürchten die betroffenen Eltern unter anderem die soziale Trennung ihrer Kinder von jenen Schülerinnen und Schülern, die künftig eine Regelschule besuchen.

Die Komplexität dieser Thematik wurde dieser Tage bei einer Informationsveranstaltung der Frauen-Union Wenden deutlich. Schulamtsdirektor Karlheinz Kiese (zuständig für Sonderschulen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe) benötigte fast 45 Minuten, um die gesetzlichen Voraussetzungen für die Schaffung einer sonderpädagogischen Fördergruppe an einer Regelschule der Sekundarstufe l zu erläutern (gesonderter Bericht).

Enttäuscht war Mechthild Voß als Vorsitzende der Frauen-Union Wenden, dass „leider sehr wenige Politiker hier sind, – die ja letztlich die Entscheidung treffen werden“. Der Einladung gefolgt waren aber so viele interessierte Bürger, dass die Saalkapazitäten schnell erschöpft waren. Wie bereits berichtet, spricht sich der Vorstand der Wendener Frauen-Union geschlossen für einen integrativen Unterricht an der Wendener Hauptschule aus. Auch Karlheinz Kiese betonte, dass „prima wäre, wenn wir alle Hürden überspringen und eine Fördergruppe einrichten können“. Er bremste aber sofort die mögliche Euphorie bei den Befürwortern: „Vielleicht ist eine Hürde doch zu hoch.“

Eine solch hohe Hürde stände im Weg, falls eine der Voraussetzungen für die Einrichtung einer Fördergruppe nicht erfüllt wird. Kiese erläuterte, dass der Stellenplan für die Sonderschulen möglicherweise die Freistellung einer Lehrkraft für die Fördergruppe vereiteln könnte. Man treibe auf eine Lehrer-Unterbesetzung an den Sonderschulen zu. Daher könne er noch nicht sagen, ob eine Sonderpädagogin für Wenden bereitstehe. Schließlich würden die Eltern von Kindern an den Sonderschulen vehement protestieren, wenn eine Lehrkraft für Kinder in Wenden abgestellt würde, in den Sonderschulen aber deshalb Unterricht wegen Unterbesetzung ausfalle. Kiese: „Ich wäre sehr erfreut, wenn die Bezirksregierung einer Sonderstelle zur Verfügung stellen würde, das tut sie aber nicht.“

Alle andere Voraussetzungen für die Einrichtung einer sonderpädagogischen Fördergruppe wären in diesem Falle erfüllt, erklärte Karlheinz Kiese. Sollte eine Stelle bereitstehen, bedürfe es also „nur“ noch der Zustimmung des Wendener Gemeinderates. Da ist es übrigens unerheblich, dass sich jüngst die Schulkonferenz der Wendener Hauptschule gegen eine sonderpädagogische Fördergruppe ausgesprochen hat (gesonderter Bericht auf dieser Seite).

Dass sich eine solche Fördergruppe trotz Gegenwehr der Lehrerschaft und anfänglichen Schwierigkeiten im Schulalltag dennoch etablieren und positive Impulse geben könne, berichtete Eva Franzkowiak. Sie ist die zuständige Lehrerin einer Fördergruppe an der Hakemicke-Hauptschule in Olpe. Nach eineinhalb Jahren gehöre der integrative Unterricht zum festen Bestandteil der Schule. Die Mitschüler hätten die behinderten Kinder akzeptiert, eines sei sogar Klassensprecher in einer sechsten Klasse.

Die Mutter eines Kindes, das in der Fördergruppe an der Olper Hauptschule unterrichtet wird, sieht in dem integrativen Unterricht auch einen Vorteil für die Hauptschule. „Die Schule bekommt eine neue Lehrkraft, die einen ganz anderen pädagogischen Hintergrund hat und auch bei Problemfällen in der allgemeinen Schülerschaft helfen kann.“ Man solle nicht nur „die Probleme wälzen, sondern auch die Chancen einer solchen Einrichtung erkennen“.

Einer der Väter, die einen Antrag auf Errichtung einer Fördergruppe in der Hauptschule Wenden gestellt haben, erklärte, dass „wir Eltern unsere Kinder nicht durch irgendwelche Hintertürchen in eine gewisse Schulform drücken wollen, sondern wir richten uns an dem Urteil und der Empfehlung der Lehrer und Pädagogen“. Der Schulausschuss der Gemeinde Wenden wird sich noch im März mit der Zukunft der vier Kinder befassen.