Ein beispielhaftes Unterrichtsprojekt

Wenden, (vas) Einem bisher stiefmütterlich behandelten Problem versucht die Konrad-Adenauer-Schule in Wenden nun Abhilfe zu schaffen. Der gestrige „Aktionstag zur Verkehrserziehung“ kreiste um das Problem „Bus“, von dem etwa 700 Fahrschüler der Gemeinschaftshauptschule tagtäglich betroffen sind. Das Gedränge in den Schulbussen wurde „erstmalig in Deutschland unterrichtlich aufgearbeitet“, erklärte der Initiator der Aktion, Realschulleiter Clemens Bernemann.


Zwei Millionen Schüler begeben sich in Deutschland jeden Tag per Bus auf die Fahrt zur Schule. Ein Viertel von ihnen wird durch diesen Streß gesundheitlich beeinträchtigt, wies der ADAC in einer Studie nach. Das Gedrängel in den voll besetzten Bussen, das Schubsen, Quetschen und vor allem die „Nötigung“, die meist Größere an Kleineren vornehmen, fügen den Kindern psychischen Schaden zu. Im November vergangenen Jahres nahmen sich Wendener Pädagogen des Problems an. Lehrer, Eltern und Schüler setzten sich zusammen, bildeten Ausschüsse und Konzepte. Gestern morgen sollten dann endlich die monatelangen Planungen in die Tat umgesetzt werden. Der Unterricht in der Gemeinschaftshauptschule konzentrierte sich gänzlich auf das Problem „Bus“. In den Schulklassen wurden die Streßsituationen durchgespielt, vor den VWS-Bussen das disziplinierte Ein- und Aussteigen geprobt, in Podiumsdiskussionen die Erfahrungen aller Betroffenen ausgetauscht.

Doch die Maßnahmen sollen über den einen Tag hinausgehen: Der Handlungsrahmen der Busfahrer gegenüber den jungen Rowdys soll erweitert, die Streßsituation „Busfahrt“ regelmäßig im Unterricht aufgenommen werden. Ob das Projekt den erhofften Erfolg beschert, zweifeln zumindest die kleineren der insgesamt 900 Wendener Schüler heftig an. Die größeren werden auch weiterhin die kleineren ärgern und sie am Ein- und Aussteigen hindern. Außerdem würden zu wenig Busse eingesetzt, das Gedrängel sei viel zu groß, lautete der Tenor der Betroffenen.