Theatergruppe „Fettnäpfchen“ kann Erfolg verbuchen

Wenden. Einen großartigen Erfolg konnte jetzt die Schülertheatergruppe „Fettnäpfchen“ der Gemeinschaftshauptschule des Wendener Konrad-Adenauerschulzentrums für sich verbuchen. Mit dem Stück „Quality Kids“ hatten die jungen Akteure unter der Leitung von Hauptschullehrer Hans Georg Kraus am Wettbewerb „Mach mal Theater“ teilgenommen. Für ihre hervorragende Leistung sprach die Jury jetzt den Wendener Schülern einen Sonderpreis der Städtischen Bühnen Münster zu.


Wegen Überlänge nicht in die Wertung

„Das Stück hat uns wirklich ganz toll gefallen“, hatte der einhellige Kommentar der Jury gelautet. Leider gab es für die Laienschauspieler aus dem Wendener Land dennoch einen kleinen Wermutstropfen. Laut Wettbewerbsbedingungen durfte die Spieldauer maximal 15 Minuten betragen, die Wendener Theatergruppe aber benötigte 20 Minuten für die Aufführung, so daß eine Aufnahme in die offizielle Wertung wegen Überlänge nicht möglich war und somit eine Plazierung für die ersten Preise ausblieb.

„Wir haben dann also lange hin und her überlegt und uns die Köpfe heißdiskutiert, wollten aber auf das Stück keinesfalls verzichten, weil es uns so gut gefallen hat“, begründete die Chefdramaturgin der Städtischen Bühnen Münster, Ulrike Schanko, den Entschluß der Jury, den heimischen Schülern einen Sonderpreis zu verleihen. Als Auszeichnung für ihre Leistung durfte das Wendener Ensemble bei der Endausscheidung am 23. Juni in Münster sein Stück noch einmal dem Publikum vorstellen.

Auf die Frage, wie die Jurymitglieder es bewertet hätten, daß Schüler im Alter von 14, 15 und 16 Jahren eine so „heiße“ Thematik wie die „Menschenzüchtung“ aufgegriffen hätten, erklärte Ulrike Schanko: „Ich finde, daß man das gar nicht hoch genug bewerten kann. Auch ich war zum einen von der sehr genauen Recherche und zum anderen von der Art und Weise, wie sie das für die Bühne umgesetzt haben, begeistert.“ Lob sprach die Chefdramaturgin den jungen Nachwuchskünstlern für deren sprachliche Perfektion aus. Bemerkenswert sei gewesen, wie die Schüler, ob als Hauptakteure oder in einer Nebenrolle ihren Part gespielt hätten.

Ulrike Schanko: „Ich denke zum Beispiel an den Sohn, an dieses Kind zweiter Wahl, das fast nur in einer perfekten Haltung auf dem Sofa saß. Das war schon toll.“

Hans Georg Kraus schätzt Erfolg hoch ein

Vater dieses Erfolges für die Gemeinschaftshauptschule Wenden ist sicherlich der verantwortliche Fachlehrer Hans Georg Kraus. „Die mehrjährige Theaterarbeit an unserer Schule steht mit der Verleihung des Sonderpreises vor ihrem bisher größten Erfolg, auf den ich persönlich sehr stolz bin“, freut sich der Pädagoge, der darauf verweist, daß allein in der Altersklasse III, zu der auch seine Schützlinge gehören, 33 Theatergruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen teilgenommen hätten. Um so höher sei die Leistung der Wendener Schüler einzuschätzen.

Stück soll Empörung hervorrufen

Hinsichtlich der Frage, was die Theatergruppe“ „Fettnäpfchen“ mit ihrem Stück „Quality Kids“ erreichen und aussagen möchte, nannte Hans Georg Kraus zwei Schwerpunktthemen. So soll die sachliche und nüchterne Art, in der unmenschliche und unmoralische Zustände als völlig normal dargestellt würden, beim Zuschauer Verwunderung, Verlegenheit, eine gewisse Verwirrung, sogar Empörung hervorrufen. Der Betrachter bekäme die Brutalität der Wirklichkeit bzw. der denkbaren Wirklichkeit zu spüren, da moralische Bedenken im Stück erst gar nicht aufkommen würden. Kraus: „Das wirkt auf den Zuschauer zunächst schockierend.“ Des weiteren spricht das Stück „rechtliche, moralische und ethische sowie politische Fragen und Probleme an, ohne nach Lösungen zu suchen. Es zeige, so Kraus, wo sich der Mensch zur Zeit befinde und wo er noch „landen“ könne, wenn der Entwicklung in manchen Bereichen kein Einhalt geboten werde. Nach Ansicht der Darsteller wird der Mensch zum „Zuchtergebnis“ und zum „Versuchskaninchen“. Der Wert des Menschen werde nur in den Kategorien „Körperbau“ und „Intellekt“ gemessen. Ferner werde die Würde des Menschen mit Füßen getreten und völlig ignoriert. Wertbegriffe wie Ehe, Liebe und Schöpfungsauftrag würden zur Bedeutungslosigkeit verurteilt.

Menschliches Leben als Handelsware

„Menschliches Leben wird Handelsware, die bei fehlender Nachfrage auch vernichtet werden kann“, verdeutlicht Kraus die Intention des Stückes. Anscheinend, so der Pädagoge weiter, habe die Gesellschaft aus Hitlers Wahnvorstellung der „reinen Rasse“ nichts dazugelemt. Die Symptome seien vergleichbar. Leihmütter würden zu rechtlosen Gebärmaschinen. Auch Begriffe wie Vater oder Mutter seien nicht mehr klar definiert.

Hans Georg Kraus: „Der Mensch entwickelt sich zu einem gefühlskalten, berechnenden Wesen. Zeugung und Geburt werden industriell betrieben, mit hohen Gewinnaussichten für Forschung und Gewerbe.“

Aktuelles Theaterstück

Mit diesem Theaterstück haben die Wendener Schüler und ihr Fachlehrer sicherlich ein aktuelles und schwieriges Thema aufgegriffen, das Denkanstöße zu den aufgeführten Problemen vermitteln soll. Dieses theatermäßig geschickt umzusetzen, ist, so die Meinung der Fachleute, „den Akteuren gelungen“, so daß die Auszeichnung mit dem Sonderpreis verdienter Lohn für Hans Georg Kraus und seine Laienschauspieler Heike , Herberhold, Anja Betke, Nicole Clemens, Sabine Koch, Manna Kruse, Manuela Hausmann, Thorsten Gerull, Mike Siegert, Gaby Wurm, Hans-Jürgen Siegel, Uschi Wurm, Sandra Halberstadt, Ute Kölsch, Frank Schurig und Bianca Arns ist. Bisher trat die Gruppe bei der Vorausscheidung des Schülerwettbewerbs in Münster, an der politischen Akademie Biggesee in Neu-Ustemohl und in der Aula des Städtischen Gymnasiums Olpe auf. Außerdem waren Auszüge des Theaterstücks im Hörfunk im Rahmen einer Reportage zu hören.